Impulse mit Bahnbildern

Gedanken zum September-Bild

Haben sich die nicht verirrt?

Wo fahren die denn rum?» Das war der erste Gedanke, den ich hatte, als ich das Bild sah. Eine Rangierlok auf der Straße? Sollte sie sich verirrt haben? Der Eisenbahnkundige weiß: So einfach geht das nicht. Dass diese Rangierer «versehentlich» hier auf der Straße gelandet sind, kann nicht sein … sie stünden sonst nicht so gelassen vorne auf der Lok! Vielmehr sind sie auf diesem ungewöhnlichen Weg unterwegs, um den Gleisanschluss einer bekannten Firma zu bedienen.

Bei uns Menschen kann das leichter passieren, dass wir plötzlich irgendwo gelandet sind, wo wir eigentlich nicht hin wollten. Weil – wie das Sprichwort sagt – «drüben die Wiese immer grüner ist.» Und so sind wir schnell geneigt dorthin zu gehen. Wir scheuen weder Mühe noch Aufwand. Setzen Zeit und Kraft ein. Wenn wir dann endlich angekommen sind, haben wir vielleicht ein wenig Spaß, um dann aber bald festzustellen, dass «das dicke Ende noch kommt».

Gott im Himmel, der seine Menschen allesamt lieb hat, wird in der Bibel mit einem Hirten verglichen. Wir Menschen sind in diesem Bild die Schafe. Der gute Hirte hat ein Auge auf seine Schäfchen. Er akzeptiert, dass sie eigene Entscheidungen treffen. Er sieht, wenn sie sich verlaufen. Er lädt ein wieder nach Hause zu kommen. Er will das Verletzte verbinden. Er will selbst mithelfen, dass sie den Rückweg antreten. Wer der Einladung folgt, wird staunen, wie wunderbar die «fetten Wiesen» in Gottes Nähe dort sind. Lassen Sie sich auf den Test ein?

Jürgen Schmidt, Gießen

Begrenzung und Freiheit

Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.
Johannes 6,68

1115D

Der ICE auf unserem Foto startet im nördlichsten Zipfel der Schweiz und verbindet dann den Südwesten Deutschlands mit der neuen alten Hauptstadt im Nordosten. Gerade haben wir ein Vierteljahrhundert deutsche Einheit gefeiert; jetzt im November ist der Fall der Mauer schon 26 Jahre her, fast schon so lange, wie das Mahnmal der Unmenschlichkeit überhaupt gestanden hat. Anfang 1989 schien es noch undenkbar, dass mal ein ICE über die Berliner Stadtbahn ohne jede Personenkontrolle in den östlichen Teil der Stadt rollen würde.
Christen sind Gott dankbar für die Wiedervereinigung Deutschlands. Sie bedeutet auch die Freiheit des Reisens, wir alle können fahren wohin wir wollen. Der Bibelvers fragt: „Wohin sollen wir gehen?“ in einem tieferen Sinne. Begegnung mit fernen Ländern ist eine Sache, einen Sinn im Leben finden in der Begegnung mit Gott eine andere.
Am Ende unseres Lebens scheint der Tod eine unüberwindbare Grenze zu sein. Aber so wie die Mauer überwunden wurde, ist auch der Tod nicht unüberwindbar. Jesus ist auferstanden und Gott bietet jedem ewiges Leben an, der sich zu ihm hält. Gott lädt sozusagen ein in ein Land jenseits unseres Sehvermögens – einen jenseitigen Bereich, in dem unser Ich, der Kern unseres Wesens, unsere Seele Gott in unbegrenzter Weise begegnen kann.

Gerhard Borsdorf, Schwalbach am Taunus

Zeiten schwerer Belastungen überstanden

Gelobt sei der Herr täglich. Gott legt uns eine Last auf - aber er hilft uns auch.
Psalm 68,20

1015D

Das Bild zeigt einen schweren Zug, offenbar mit Kohle beladen, für das Saarland, bespannt mit einer privaten 189er. Züge dieser Gattung sind im beladenen Zustand immer sehr schwer und brauchen starke Lokomotiven, einen entsprechend belastbaren Oberbau, und eine umsichtige, vorausschauende Fahrweise der Lokomotivführer.
Praktisch jeder von uns erlebt auch in seinem Leben Zeiten schwerer Belastungen, die ganz unerwartet auf uns zukommen und gegen die man sich in den meisten Fällen auch nicht im Vorfeld versichern oder schützen kann.
Wir als Familie haben gerade den Höhepunkt einer solchen Belastungssituation überstanden: Menschen, denen wir aus einer – allerdings vorgetäuschten – Notlage heraushelfen wollten, haben uns, nachdem sie anfangs überzogen freundlich waren, versucht, wirtschaftlich ausbluten zu lassen, haben uns erpresst, beleidigt und gestalkt.
In dieser Situation haben wir Hilfe bei Gott gesucht und durften erleben, dass er uns Kraft, Ausdauer und Hilfe durch andere Menschen gab, immer dann, wenn wir es gerade brauchten. Wie eine starke Lokomotive zog er uns mit unserer Last über alle steilen Wegabschnitte durch die Tiefen und auch durch dunkle Tunnel, deren Ende nicht zu sehen waren. Gerade dann, als ich kurz vor dem Umfallen war, habe ich erleben dürfen, wie er mich an die Hand nahm und wie ein Vater durch die totale Dunkelheit führte.
So, wie dieser Zug am Zielbahnhof entladen wird, und dann leer zurückfährt, hat Gott selber, ohne das Dazutun von Menschen, die Last schlagartig von uns genommen, und uns danach überreich gesegnet und beschenkt.

Bernd Mettelsiefen, Köln

Gott achtet immer auf uns

Lasst uns aufeinander achthaben.
aus Hebräer 10,24

0915D

Dieses Bild erinnert mich an die Zeit, als ich in Zell am See in einer VW-Werkstätte arbeitete. Zwischen meinem Wohnort und meiner Arbeitsstelle waren ein beschrankter Bahnübergang der Westbahn und ein unbeschrankter Übergang der Krimmlerbahn. Unzählige Male fuhr ich dort hin und her und achtete auch bei der Westbahn, ob nicht doch ein Zug käme, auch wenn die Schranke offen war. Es könnte ja ein Defekt sein. Der Übergang der Krimmlerbahn war schlecht einsehbar und die kleine Schmalspurlok pfiff schon von weitem. Einmal war ich mit einer Freundin unterwegs und wir lachten und scherzten im Auto. Ohne auf irgend­etwas zu achten überfuhr ich den Übergang. Siedend heiß durchfuhr es mich, als ich es bemerkte, – Dank sei Gott, dass kein Zug kam, wer weiß, ob wir das Pfeifen überhaupt beachtet hätten.
Keiner ist davor gefeit einmal unaufmerksam zu sein und einen Fehler zu machen. Wie gut, wenn andere dann achtsam sind und mitdenken.
Wie oft wurde dadurch schon großes Unglück und Schaden verhindert. Oft sind wir uns dessen gar nicht bewusst.
Auch in zwischenmenschlichen Beziehungen ist es gut aufeinander Acht zu haben. Wie geht es meinem Nachbarn, Kollegen, Partner? Hat er Sorgen, Probleme oder Nöte?
Es wird zwar pausenlos, telefoniert oder SMS verschickt, man googelt, chattet oder twittert.
Die Augen sind auf Smartphone oder Tablets gerichtet, doch schauen wir einander noch in die Augen? Nur so kann man eventuell traurige Stimmung und Befinden des Gegenübers bemerken.
Glücklicherweise achtet Gott auf uns und wir können getrost unseren Weg gehen.
Trotzdem sind wir dazu angehalten aufeinander zu achten. Wir brauchen einander!

Kristina Raschke, Bischofshofen (A)